Diana  14.04.2018 2 Kommentare

Peninsula Valdes

Von Puerto Madryn ging es für uns auf die Halbinsel Valdes. Aufgrund des Status als Weltnaturerbe bieten sich nur wenige Campingmöglichkeiten. Zuerst wollten wir uns das inoffizielle aber von den Rangern tolerierte Wildcamp am Strand ansehen. Auf dem Weg dorthin wurden wir gründlich sandgestrahlt und da wir vor Ort keinen Windschutz fanden sowie bei blankem Fels auch keine Chance auf Befestigung der Heringe bestand, sind wir wieder umgekehrt. Die einzige Ortschaft hier, Puerto Pyramidis, war früher Verladestelle für das aus den in der Mitte der Halbinsel gelegenen Salzseen abgebaute Salz. Hier gibt es einen Campingplatz, dieser war zwar eigentlich geschlossen, aber trotzdem gut besucht. Entsprechend fanden auch wir hier ein Plätzchen, von drei Seiten von hoher Hecke geschützt und sogar mit Strandzugang.
Von Juni bis Dezember sind die Glattwale der Touristenmagnet der Region. Berühmt ist die Insel aber auch wegen der Orcas, die Mitte Februar bis Mitte April hierher kommen um Seelöwenbabys zu fressen. Die Jagdtechnik, bei der die schwarzweißen Delfine absichtlich stranden, um ein sich sonnendes Seelöwenjunges zu schnappen, ist weltweit einzigartig. In diesem Jahr wurden allerdings noch gar keine Orcas gesichtet, entsprechend entschlossen wir uns eine Pause einzulegen und am Tag darauf einen Tagesauflug zum etwa 80km entfernten Punta Norte zu machen. Während wir also in Puerto Pyramidis rumdümpelten sind sie endlich aufgetaucht. Damit stieg die Vorfreude auf den kommenden Tag natürlich um einiges :-)

Auf dem Campingplatz flitzten neben etwa 7 Minikätzchen auch einiges an Hunden rum. Einer davon, sowas in Richtung American Staffordshire, war recht anhänglich und schmuste mit seinem Kopf an mir entlang während ich versuchte zu kochen. Immerhin blieb er unserem Essen fern, nur der leere Topf wurde schonmal „vorgespült” während wir gegessen haben. Abends war Harold noch auf ein Bier bei Ysbrand, wo wir am Vorabend mit dessen Freundin bereits zusammen gesessen sind. Als ich dann im Dunkeln nochmal kurz aus dem Zelt raus musste, war dann plötzlich nichts mehr mit Schmusehündchen. Ich war leider schon einige Meter vom Zelt entfernt, wurde angekläfft und angeknurrt mit gesenkten Schultern und Schwanz. Zum Zelt zurück, runterbücken und reinkrabbeln war nicht wirklich eine Option. Harold war außer Rufweite, blieb also nur die 100m zum Landcruiser des holländischen Pärchens zu laufen, ständig begleitet von dem keifenden Vieh das um mich rumflitzte. Nach der halben Strecke war erstmal Schluss, er versperrte mir drohend den Weg und wirkte als mache er Ernst. Eine der Babykatzen rettete die Situation, in dem sie von mir ablenkte. Bei Harold angekommen machten wir uns auf den Weg zurück ins Zelt. Der Hund war wieder da, kläffte, sprang an uns hoch und schnappt sich einmal auch Harolds Hand. Ysbrand half uns aus der Misere und beschäftige ihn bis wir uns verkrümelt hatten. Soweit, sogut - denkste - schlauer Wautzi kann Zeltreißverschluss aufmachen und im Vorzelt auf dem Berg Motorradklamotten ist es auch ganz gemütlich. Unter herzzerreißendem Jaulen zog Harold das jetzt plötzlich wieder kleine Schmusehündchen ins Freie. Hielt so etwa 2 Minuten. Nach dem dritten Mal parfümierten wir den Zelteingang mit Benzin, worauf der Arme niesend davonzog. Aber auch das verschaffte uns nur vorübergehend Schlaf, zweimal wurden wir dadurch geweckt, dass sich etwas an unseren zum Vorzelt ausgerichteten Köpfe schmiegte. Morgens, nach der zu erwartenden Verfolgungsjagd Motorrad vs. Hund auf Sand, ging es dann endlich zur Nordspitze der Halbinsel. Den ursprhnglich geplanten Abstecher zu den Seeelefanten bei Caletta Valdes mussten wir streichen um noch rechtzeitig zur Flut am eigentlichen Zielort anzukommen. Etwa 5km vor Caletta Valdes gibt es allerdings wieder Magellanpinguine - zumindest ein paar Minuten mussten hier sein :-) Danach wurde die Straße noch schlechter. In tiefen, mit losem Schotter aufgefüllten Senken versackten selbst die allradbetriebenen Gelädewagen. Heil ankommen begann das Warten - nichts... 

Als es anfing zu dämmern beschlossen wir das Wildcamp am Strand anzufahren, da ich wenig Lust auf ein Wiedersehen mit unserem Zelthund hatte. Die Holländer begleiteten uns solidarisch und wir versuchten im Schatten ihres Wagens Schutz vor dem Wind zu finden. Ich befürchte sie hatten in ihrem Dachzelt ebenso flatternde Wände wie wir. Neuer Tag, neues Glück, die direkte Straße zum Punta Norte ist wesentlich besser und wir waren ein paar Stunden vor Flut da. Nach nicht allzulangem Warten rannten plötzlich alle zum nördlichen Aussichtspunkt - und tatsächlich - 3 Orcas näherten sich aus der Ferne, machten dann aber direkt wieder kehrt. Der Wasserstand sei noch nicht hoch genug, als dass sie näher kommen könnten meinte einer der Ranger. Ich befürchtete, dass sie heute vielleicht nicht nochmal vorbeikommen würden und eine weitere Fahrt hierher traf bei Harold auf wenig Gegenliebe, ebenso wie der Wildcampingspot. Der Campingplatz in Puerto Pyrmidis fiel ja ebenfalls flach, blieb nur die Halbinsel rechtzeig vor Dämmerung zu verlassen. Deprimiert saß ich mit Ramela zusammen während die Zeit verging. Dann schwammen 5 Orcas nur wenige Meter entfernt die Gesamte Strandlinie entlang - der Tag war definitiv gerettet :-)

Im Dunkeln kamen wir wieder in Puerto Madryn an, wo wir uns das erste Mal in einem Dorm (Zimmerer mit mehreren Stockbetten, welches man mit anderen Hostelgästen teilt) einquartierten. Nach 4 Tagen ohne Dusche (die sanitären Anlagen auf dem geschlossenen Campingplatz waren abgeschlossen) tat selbige aber sichtlich gut.

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Kommentar von Elli |

Hallo ihr Weltenbummler,
unheimlich tolle Bilder.Super was ihr alles erlebt und seht.Ganz besonders beneide ich euch um diese Aussicht auf Orcas aus dieser Nähe.
Diana bis ihr wieder daheim seit schreckt dich kein Hund mehr oder?:)nette Geschichte.
Weiterhin gute Fahrt und passt auf euch auf.Liebe Grüsse aus Erdbach:)

Antwort von Diana

Joah mal sehn, auf die meisten Begegnungen hätte ich verzichten können... Es waren aber auch viele liebe Wesen dabei und auch viele, die mir leid taten. Ich hab seit einiger Zeit auch Futter dabei. Das meiste davon kam kürzlich einer ausgemergelten Hündin mit einer Schar Welpen zugute, von denen eins hinkte. Die wirkten leider nicht so, als ob sich jemand um sie kümmerte. Mein "Therapiehund" nach der Geschichte auf Valdes war dann Lola, eine von der Straße wegadoptierte Schäferhündin und ein kleines Schmusemonster.

Kommentar von Doris |

Hallo Diana, jetzt muss ich mich doch noch zu deinem Hundeerlebnis äußern.
Bin froh das es nochmal gut ausgegangen ist. Du kennst mich und weißt wie das für mich gewesen wäre und fühl da richtig mit.
Ich hoffe Harold nimmt dich nächstes Mal mit auf ein Bier.
Für mich seid ihr gefühlt schon ewig fort und ich vermiss dich schon sehr.
Mein heutiger Wunsch zum Muttertag:
Passt bitte auf euch auf. Hdl Mama

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