Diana  29.06.2018 1 Kommentare

Paraguay

Am Grenzübergang Ciudad del Este herrschte ein reges Verkehrschaos. Jeder fährt, wenn sich auf der Kreuzung eine Lücke  auftut querfeldein zum Ziel. Dazu seltsame teils uniformierte Männergruppen die auf die Straße rennen, versuchen einen anzuhalten, warum auch immer. Rechts und links der Straße ist Markt und auch zwischen den Autos versucht jeder seine Waren umzusetzen. Zwischen Brasilien und Paraguay pendeln hier unzählige Motorradtaxis. Für Motorräder gibt es an der Grenze eine separate Fahrspur, sodass man auf diesem Wege wesentlich schneller vorankommt. Erster Stopp für uns war die Bank  um einheimische Währung abzuheben. Hier dann der eigentliche Kulturschock, vor der Bank standen 2 Securitys, bis an die Zähne bewaffnet, den Finger am Abzug einer Pumpgun. In der Bank dann mussten alle Metallgegenstände abgelegt werden, anschließend ging es durch ein Metalldetektor wie am Flughafen, Taschen wurden ebenfalls durchleuchtet.

Coronel Oviedo

Unser erster Übernachtungsstopp führe uns zu Walter, einem deutschen Auswanderer, der in Paraguay hängen geblieben war. Seine Südamerikareisen hatte er mit dem Landrover (an dem noch das Offenbacher Kennzeichen prangt) oder einer noch viel cooler, einer Kastenente bestritten.

El Roble

auf Empfehlung von Walter war unser nächster Zwischenstopp bei Peter, ebenfalls aus Deutschland ausgewandert. Er hat ein kleines Paradies geschaffen, mit eigener Tierauffangstation. Während unseres Aufenthaltes peppelte er einen aus dem Nest gefallenen Kolibri von Hand auf. In seinem Garten fanden aber auch Brüllaffen, Papageien, ein Tapir und viele andere ein neues Zuhause. Auch ein Wildmeerschweinchen flitzte in der Nähe des Schweinegeheges rum. Fast alles was es zu essen gab kommt aus eigener Produktion. Leckerer frisch gepresster Marakujasaft, Leberwurst, geräucherter Schinken, Käse, Brot und vieles mehr. Zum Abendessen gabs deftigen Krautsalat und Kartoffelsalat - eine willkommene Abwechslung zur paraguayanischen Einheitsküche.

An Ausschlafen war nicht wirklich zu denken, mit den ersten Sonnenstrahlen machten die Brüllaffen ihrem Namen alle Ehre. Die Beiden bekommen momentan keinen Freigang mehr, da ihre Lieblingsbeschäftigung daraus besteht, die Dächer sämtlicher Gebäude abzudecken, worin sie wohl höchst effizient sind.

Im Badezimmer waren einige Frösche unterwegs, und die Toilettenspülung förderte immer neue herbei, die das Wasserreservoir auf dem Turm als neuen Wohnsitz für sich entdeckt hatten. Keine Sorge, dem Heruntergespülten geht es gut, das Abwasser landet im Teich. Gemein war allerdings, dass mir auch beim Händewaschen ein kleiner gründer Geselle mit Karacho auf die Finger geklatscht ist. Ich weiß nicht, wer von uns beiden mehr erschrocken ist. Schlechter erging es da schon einem von den kleineren Fröschen, er hinterließ nur eine Ausbeulung im Bauch einer Grassschlange welche in unserem Badezimmer auf die Jagd gegangen war.

Casa del Santi

Auf der Fahrt zu unserer nächsten Station habe ich leider mindestens 3 Schlangen plattgefahren, eine die Harold wohl erwischt hatte kam mir spiralig wie eine Feder entgegengerollt. Gebissen wurde ich während der Fahrt auch von irgendwas, passiert ist aber nichts weiter. Am Rio Paraguay fischte Harold dann seine ersten Piranhas und auf einem durch Flatterband markierten Pfand konnten wir den angrenzenden Urwald erkunden, wo wilde Ananas wuchsen.

Generell haben wir in Paraguay sehr wenige Autos gesehen, fast alles ist auf Rollern oder kleinen Moppeds unterwegs. Sehr typisch waren Motorrder mit Ladefläche, mit oder ohne Sonnendach. Auf den Motorrädern selber wird alles transportiert was geht, hoch hinauf beladen, oder einfach das Gewehr oder die Machete auf dem Schoß. Bis zu 5 Personen sitzten auf einer kleinen 125er, kleine Kinder auch mal seitlich auf dem Oberschenkel. Der jüngste Fahrer war vielleicht so um die 10 Jahre alt, mit der großen Schwester hintendrauf, nach Schulschluss keine Seltenheit.

In Concepcion wurde Harold von einer ganzen Schulklasse überfallen, ich stand ein Stück weiter, sobald ich den Helm abgezogen hatte, musste ich aber auch für Fotos mit der Rubia (ich gehe hier als blond durch) herhalten. Allerdings allein die Tatsache dass wir Helm tragen outet uns sofort als Ausländer.

Unsere letzte Übernachtung hatten wir in Filadelfia, aufgrund des anstehenden Feiertages waren leider alle Hotels ausgebucht, nur in einer kleinen Pension fanden wir noch ein Plätzchen für die Nacht. Das Zimmer war sehr einfach, aber macht ja nichts, haben ja Luftmatratzen und Schlafsäcke dabei. Das Bad hatten wir uns vor dem Bezahlen leider nicht zeigen lassen. Ein Kabuff im Freien, tote fingerlange Kakerlaken in der Dusche und Toiletten, die so versifft waren, dass auch ich den leider hell erleuchteten Parkplatz vorzog.

Der Weg nach Bolivien führte durch den Gran Chaco, ein Urwaldgebiet mit Flaschenbäumen und zum Teil noch unkontaktierten Ureinwohnern. Auch die Sprache einer der Stämme "Guarani" war uns hin und wieder begegnet.

 

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Kommentar von Ralf |

Wunderschöne Bilder und witzige Videos! gab es nicht auch mal eine Simpsons-Folge die aufklärte, dass sich die Toilettenspülung auf der südlichen Hemisphäre andersrum dreht? Aber das juckt die Fröschlein wohl auch nicht...

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