Diana  17.06.2018 0 Kommentare

Eindrücke aus Südchile

"Haben Sie auch was ohne Fleisch?" Nach einigem Überlegen: "Salat mit Hühnchen" ... "Ne, vegetarisch bitte" "Salat mit Hühnchen! ohne Fleisch! ist mit Hühnchen" ..."Ok, dann einmal Pommes mit Ketchup bitte..." 
Auch das Sandwich Vegetariana entpuppte sich bei anderer Gelegenheit als Thunfischbrot. Das Verständnis für fleischlose Ernährung hält sich in engen Grenzen und was nicht auf der Karte steht gibt's nicht, auch wenn man nur nach ein paar Kartoffeln mit Spiegelei oder ähnlichem fragt. Während meine Ernährung also aus besagten Pommes und wenn ich Glück hatte Empanadas mit reiner Käsefüllung bestand, gabs für Harold je nach Region von Rind bis Meeresfrüchte reichlich Auswahl. Lohnenswert wars deswegen trotzdem nicht und wir verlegten uns zunehmend aufs Selberkochen. Auch Frühstück oder Nachmittagskaffee wird zur Enttäuschung. Auch an hübscheren Plätzchen erhält man nur heißes Wasser und ein Tütchen Nescafe Pulver. In Santiago hatten wir öfter Streetfood probiert, hier war einiges interessantes und leckeres dabei. Die Garküchen sind in Einkaufswägen verbaut, auf die Frage nach einem Bild seiner mobilen Fritöse fing der nette Herr vom Foto an sich die Haare zu kämmen und sich eine gute Pose zu überlegen, sodass er nun mit verewigt ist. Er stammt aus Peru und lebe seit etwa 10 Jahren in Chile.
Die meisten Chilenen erlebten wir als eher reserviert. Bei unserer ersten Reifenpanne im strömenden Regen auf der Carretera Austral hielten einige Franzosen, um Hilfe anzubieten. Die chilenischen Pickups reduzierten nicht einmal die Geschwindigkeit auf der engen Schlaglochpiste, sodass wir mit jedem Fahrzeug eine zusätzliche Dusche erhielten. Apropos Dusche... diese sind in Chile oft kalt, im Sinne von eiskalt, richtig eiskalt, auch wenn einem warmes Wasser zugesichert wurde.
Entlang der Straße finden sich oft kleine Schreine mit Heiligenfiguren oder für Verstorbene, teilweise mit Bergen von mit vermutlich Wasser gefüllten Plastikflaschen - damit die Softdrink begeisterten Chilenen auch im Jenseits nicht auf ihre Zuckerdosis verzichten müssen? Wir wissens nicht.
Was kaputt ist, bleibt liegen, ob verunfallte Autos die zu Rostskulpturen werden, die eingestürzte Vorgängerbrücke oder die alte Straße neben der neuen - Platz gibt es ja. Kreativer gelöst war dann schon der Fall einer stehengebliebenen Bergbaumaschine: Schild mit "Denkmal" an die Straße, fertig.
Hunde, egal ob mit Besitzer oder ohne rennen, wie in allen lateinamerikanischen Ländern, frei herum. So gejagt wie in Chile wurden wir allerdings nirgends mehr. In einigen Straßen wartete ein ganzes Rudel, mal wurde versucht uns die Durchfahrt zu blockieren oder versperren einem an der Ampel die Weiterfahrt.
Besonders um Puerto Mont herum fanden sich deutsche Vereine in rustikalen, holzvertäfelten Gebäuden mit den Wappen der 16 Bundeländer. In deutschen Schulen wird auch unsere Sprache unterrichtet, sodass wir hin und wieder jemanden trafen, der seine Kenntnisse auspackte. Ian, ein Nachfahre schweizer Einwanderer packte beim gemeinsamen Grillen sogar seine Quetschkommode aus.

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