Diana  18.07.2018 2 Kommentare

Die Lagunenroute

Vorab Informationen über Routenbeschaffenheit und Benzinversorgung zu bekommen war nicht gerade einfach. Die nächtlichen Temperaturen können jetzt im Winter unserer Recherche nach in der Nacht bis auf -25ºC sinken. Wir nahmen uns einen Tag um uns vorzubereiten und noch ein wenig an die Höhe zu aklimatisieren. Wir hatten das Glück einen lokalen Touristenguide ausfragen zu können und starteten mit 12l Trinkwasser und 14l Zusatzbenzin ins nichtmehr ganz so Ungewisse.

Tag 1

Mit Blick auf die Canyons von Tupiza hatten wir uns immer höher bis über die 4000m hinaus auf das Altiplano geschraubt. In San Antonio de Lipez gibt es keine offiziellen Unterkünfte, aufgrund der in Tupiza erhaltenen Insiderinfos fanden wir bei einer Familie ein zu vermietendes Zimmer. Ein typisches Lehmziegelhaus, unisoliert und entsprechend kalt, Strohmatratze und Lamafellkissen. Toilette war draußen, Dusche existiert nicht, auf Strom mussten wir ebenfalls verzichten. Auf dem Innenhof kochten wir uns eine wärmende Suppe bevor wir uns in die Schlafsäcke kuschelten. Geschlafen haben wir beide eher schlecht, 1500m Höhenunterschied an einem Tagen waren doch etwas viel. Der Kopf schmerzt, die Nase blutet, Puls und Atmung rasen.

Tag 2

Die erste Wasserquerung des Tages war erstmal eine große Eisplatte mit entsprechenden Rutscheinlagen.. Von dort aus ging es zum alten San Antonio de Lipez, was seit 50 Jahren verlassen ist. Dort wollten wir ursprünglich campen, hatten es am Tag davor zum Einbruch der Dunkelheit aber gerade so ins neue San Antonio geschafft. Über die zugefrorene Laguna Morijon ging es anschließend nach Quetena Chico.

Tag 3

Hier kann man für 50€ pro Fahrzeug einen Guide buchen, den man im eigenen Auto dann mitnehmen muss, um den Vulkan Uturunku zu besteigen. Vom Parkplatz aus sind es noch etwa 4h um auf den Gipfel des Sechstausenders zu kommen und zurück. Mit dem Motorrad sei es allerings möglich, bis in den Bergsattel zu fahren, wodurch sich der Fußmarsch auf anderthalb Stunden für rauf und runter reduzieren würde. Da wir nicht davon ausgegangen sind, dass einer der Guides Sozius mit nach oben möchte (deren Qualifikation besteht aus dem Besitz des Schlüssels für die Schranke) mogelten wir uns so nach oben. Vom Parkplatz aus kamen wir leider nicht viel weiter, hier folgte ein steiler Abschnitt aus Vukanaschesandzeug, den die Motorräder nicht mehr bewältigen wollten. Die Luft stank nach Schwefel, unser Trinkwasser war eingefroren und unsere Motivation bei der dünnen Luft stundenlang den Berg hochzukrabseln hielt sich schwer in Grenzen. Zu spät dran waren wir eigentlich sowieso. Während die Jeeptouren um 6 in der Frühe starteten um dem ab Mittag einsetzenden harschen Wind zu entkommen, wollten wir ungern ohne ausreichend Licht und zumindest ein bisschen von der Sonne angehobenen Temperaturen starten. Starten war auch gar nicht so einfach, gefühlt eine halbe Stunde kämpften und kickten wir, bis beide Motoren angesprungen waren. Also ging es für uns wieder zurück. Immerhin bis auf 5600m hatten uns unsere kleinen Hondas gebracht.

Hier war dann der Akku der Actioncam erschöpft. Es folgte noch eine Runde Planschen unter der strengen Aufsicht eines Lamas sowie die tiefste Wasserdurchfahrt des Tages, bei der dann auch das Nummernschild mal wieder lesbar wurde. Nach kurzer Mittagspause fuhren wir nach Aqua Termales, wo wir erst Abends ankamen. Leider war Harold nicht zu einem Bad bei Sonnenuntergang in einem der beiden von einer heißen Quelle gespeißten Pools zu bewegen. Auf Morgen verschoben .. 

Wir quartierten uns in einem für bolivianische Verhältnisse sehr schicken Hotel ein. Warmwasser, oder überhaupt eine Dusche gab es deshalb zwar nicht, aber immerhin 24h Strom und leckeres Essen unterm Heizpilz. Morgens tropfte dann das Eis vom Plastikdach der Hotellobby und auch die schöne Aussicht aus unserem Fenster war erstmal verschwunden.

Tag 4

Morgens gings zur Laguna Blanca und Laguna Verde. Letztere hat je nachdem wie der Wind die gelösten Mineralien (u.a. Magnesium,Blei und Arsen) aufwirbelt eine unwirkliche absinthgrüne Farbe. Als wir dort waren war sie leider zugefroren und eher türkis, trotzdem hübsch, auch wenn nicht wie auf den Kalenderfotos. Zurück in Aqua Thermales gings endlich ab ins 38C warme Wasser.

Wir saßen noch bei strahlend blauem Himmel im hot pool und dachten uns "oh wie süß, drei Mikroschneeflocken..." bis wir wieder auf den Motorrädern saßen kroch es wie Nebeldunst über eine Bergkuppe und bald schon fanden wir uns in einem beginnenden Schneesturm wieder. Am Geysirfeld Sol de Mañana machten wir kurz Stopp um uns umzusehen. Einem einheimischen Guide mit einem Jeep voller Touris (der übliche Weg die Lagunenstraße zu besuchen) halfen wir noch mit  Motoröl aus. Er meinte wir sollten uns sputen, bald sei hier alles unter einem Meter Schneedecke begraben, also machten wir uns auf die Socken.

Der Schneefall wurde jetzt deutlich schlimmer und bei heftigem Sturm ging die Sicht gegen Null. An Straßen gibt es sowieso nur eine besser ausgebaute Schotterpiste, ansonsten fährt man einfach einer der verschiedenen Jeepspuren hinterher, die allerdings gerade unter einer Schneedecke verschwanden. Etwas unpraktisch, wenn man sich auf einem vulkanisch aktiven Gebiet mit Geysiren, Schlammvulkanen und heißen Dampffontänen befindet... 

Unsere Visire mussten wir offen lassen, die waren von einer Schicht Eisblumen überzogen, auch am Motorblock hing ein gefrorener Klumpen. Der Schnee verbarg leider komplett den Untergrund, als Harold einen Stein traf und stürzte, ging unser 10l Ersatzbenzinkanister zu Bruch. Wenig später kam ich ins rutschen und stürzte. Harold als Vorrausfahrender bemerkte länger nichts und verschwand zunehmend im weißen Nichts. Das Motorrad lag so ungünstig, dass ich es nicht aufgehoben bekommen habe, GPS sowie Notsignal, beides auf seinem Mopped, Zelt und Schlafsäcke ebenso, da wurde mir dann doch kurz unwohl. Ich hatte die Kamera und das Stativ auf meinem Mopped, ein Abschiedsvideo wäre also drin gewesen ;-). Falls er sich noch weiter entfernt hätte, wäre es für ihn sicher schwer geworden mich wiederzufinden, wie erwähnt gibt es zig parallele Spuren im Boden, jetzt von Schnee bedeckt, und die Sicht reichte nur knapp bis vors Motorrad. Ich musste allerdings nicht lange warten bis er mich vermisst und wieder eingesammelt hatte. Auf der "Hauptstraße" angekommen, fanden wir uns im Auge des Sturmes wieder, ein kreisrundes Stück blauen Himmels umgeben von einer weißen Wand. Und wir stellten fest, dass wir uns um ein paar Kilometer verfahren hatten (Sicht war davor so schlecht, dass Harold das GPS am Lenker nicht lesen konnte). Irgendwann hatten wir es geschafft, durchgefroren und erledigt, mit gefrorenem Bart und Eiszapfen am Helm erreichten wir die Laguna Colorada, an der es ein paar Häuser, darunter 2 Hostels gab. Hier waren wir von der Höhenlage her deutlich tiefer, sodass das Wetter besser war. Für gerade einmal 3€ pro Nase hatten wir für die Nacht ersteinmal ein Dach über dem Kopf.

Tag 5

Am nächsten Tag beschlossen wir, die Laguna Colorada anzuschauen, 25km zum Arbol de Piedra zu fahren, danach zum Hostel zurückzukehren und erst am Tag darauf auf der angeblich etwas besseren Straße weiter östlich nach Uyuni zu fahren. Es wurde allerdings Mittag, bis wir uns fit genug fühlten und beim Blick vor die Türe sahen wir am Horizont wieder den selben weißen Schleier aufziehen. Es dauerte nicht lange bis es Schnee und dann Hagel stürmte. Also warteten wir vor dem Fenster unseres nicht beheizten Hostels, gelegentlich kamen ein paar Schneeflocken durchs Wellblech geflogen. Eine Dusche gab es wie üblich nicht, Strom und elektrisches Licht nur von 18-20 uhr und an Wifi war hier gar nicht erst zu denken. 

Aus "besser Wetter" wurde leider nichts, wir wurden zunehmend eingeschneit. Einmal schaute ein Lama vorbei, ansonsten waren wir allein bis abends Jeeptouris auftauchten. Aufgrund des "weißen Windes" welches der gefährlichste Schneefall hier sei, brachen diese ihre Tour ab und wollten nach Uyuni zurückkehren. Die Hostelbesitzer zauberten einen kleinen Holzofen aus den Untiefen und wir hatten noch eine Flasche Wein, die wir mit Zimt erwärmten und in der Runde verteilten. Einiges später tauchte eine weitere Jeeptour auf, den Mädels war die Angst ins Gesicht geschrieben und Harold meinte, ob wir vllt doch beunruhigt sein sollten? Deren Jeep war im Schnee steckengeblieben, sie mussten ihn mit vereinten Kräften befreien und hatten Sorge überhaupt noch einmal von dort wegzukommen. Wir fragten einen der Guides, ob sich die Wetterlage ändern würde - Aussicht hierauf eher schlecht. Allerdings stimmte er zu, dass wir ihnen auf dem Weg nach Uyuni hinterherfahren könnten. In der Nacht schneite es weiter, was wir durch unser Klarsichtplastikwellblech beobachteten. Vor dem Einschlafen diskutierten wir noch die Option die Motorräder zurückzulassen und uns mit in einen der Jeeps zu quetschen, falls der Schneefall anhällt. Wir könnten den Salar besichtigen und in Uyuni einen Jeep mieten um die Moppeds später abzuholen.

Tag 6

Morgens um 4 konnten wir beide nicht mehr schlafen und beschlossen, dass dies die sicherste und beste Lösung sei. Entsprechend packten wir unser ganzes Gepäck um. Alles was wir für einige Tage brauchten in eine Tasche, um diese mit in den Jeep zu nehmen. Gegen 6 oder 7 erwachte dann auch der Rest des Hostels und Harold ging raus und fuhr eine Runde Probe. "Unmöglich" war das Urteil. Für den Umstieg vom Mopped auf Jeep hatten Guide und Fahrer allerdings wenig übrig, sie motivierten uns es trotz allem zu versuchen  unter dem Versprechen uns nicht allein zurückzulassen auch wenn wir nur langsam vorrankommen. Bei meiner Testrunde blieb ich direkt im tiefen Schnee stecken und musste von Luca rückwärts wieder rausgezogen werden. Das konnte ja heiter werden...

Immerhin klarte der Himmel auf und von oben kam im Vergleich zu den beiden Vortagen kaum was nach. Ein Jeep fuhr vorraus, einer hinter uns, damit wir nicht verloren gingen. Mindestens 10 Mal lagen wir im Schnee und bekamen sofort unsere Motorräder wieder von den Fahrern oder Touris aufgehoben, während der englisch sprechende Gudie  Motivationsarbeit leistete. In einer Pause wurden wir mit Müsliriegeln und Banane aufgepeppelt bis wir es nach 4 Stunden geschafft hatten, wir waren in Villa Mar angekommen, der Himmel war blau, Schnee lag keiner mehr. Selbst ein Mittagessen wurde für uns organisiert und wir beschlossen trotz der frühen Stunde uns hier für die Nacht einzuquartieren und vor allem zu duschen - ich befürchte man konnte uns inzwischen 10 Meter gegen den Wind riechen.

Tag 7

Wir fuhren durch das Valle de Rocas, an der Laguna Vinto mit ihren Flamingos und Lamas vorbei und anschließend zur Laguna Negra und dem Canyon de Anaconda. Das letzte Stück bis nach Uyuni ist eine sehr gut ausgebaute Erdstraße, so dass wir zügig vorankamen. Nach einer Reifenpanne kamen wir dann auch tatsächlich an und suchten uns ein beheiztes Hostel um uns zu regenerieren.

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Kommentar von Hartmut |

Danke für die viiiielen Filme. Abenteuer pur.
Wie gut, dass wir schon mehr wissen.

Extreme Anforderungen an Mensch und Maschiene.
Und:
"Hoch die internationale Solidarität" der Biker/Hiker/...ehm?

Antwort von Diana

ja, um unsere Jeep-Eskorte waren wir sehr sehr dankbar! Ohne sie hätten wir uns wahrscheinlich nicht getraut das Altiplano zu verlassen und wären, wer weis wie lange, dort festgesessen

Kommentar von Helgrid |

Schön dass ihr noch lebt!
Gegen die Höhe hilft übrigens Ibuprofen (am Morgen, vor dem Aufstieg). Fürs nächste Mal

Antwort von Diana

Ibu hatten wir versucht, hat bei uns leider nicht viel geholfen. Effektiver war Cocatee, wenn nichts mehr ging haben wir den Benzinkocher ausgepackt und uns n Topf voll aufgesetzt. Bei der Kälte tat was wärmendes sowie Flüssigkeitsnachschub dann ebenfalls gut.

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