Diana  16.07.2018 0 Kommentare

erste Woche in Bolivien

Eine Weile nach dem Grenzübertritt wurden wir von Soldaten angehalten, die unser Gepäck durchsuchen wollten. Ich erfüllte dabei scheinbar jegliches Klischee, da in meiner Rolle die Klamotten von uns beiden waren, zudem einige Plastiktüten.... Einer der Maschinengewehrträger zeigte auf eine Tüte nach der anderen, meine Antwort jedes Mal: "Zapatos" (=Schuhe, ebenfalls nicht nur meine, aber sieht man durch die Tüten ja nicht). Darauf folgte eine Straße ausgebaut wie unsere Autobahn, komplett leer, nur eine Kuh blockierte ungerührt den Weg.

Villamontes

Hier waren wir mit Gydo verabredet, den wir auf Valdes kennen gelernt hatten und die Südamerikarunde in umgekehrter Richtung gefahren ist. Da unsere Moppeds in Bolivien nicht verkauft werden, hat er uns neue Luftfilter aus Peru mitgebracht. 

Entre Rios

In Entre Rios nissteten wir uns auf Walters Empfehlung hin im SolLuna bei deutschen Auswanderern ein. Auf deren Empfehlung hin nahmen wir die Nebenstraße in Richtung Tarija. Leider war es scheißkalt und zudem neblig, weswegen wir von der schönen Aussicht nicht viel hatten.
Weiter oben wurde die Straße zunehmend schmaler und der Abhang steiler, vor einer Kurve um einen Felsen herum hupte es dann und Harold schaffte gerade so eine Vollbremsung, schwebte mit dem rechten Fuß über dem Abgrund und kuschelte links mit dem entgegengekommenden Lastwagen.

Tarija

Hier war es zum Glück ein bischen wärmer. Wir erkundeten die Stadt und probierten uns durch die Leckereien der Straßenverkäufer. Essen ist hier extrem günstig, sodass wir uns später auch in der sehr schicken Pizzeria am zentralen Platz ein Abendessen nebst Flasche sehr leckeren fruchtigen bolivianischen Wein gönnen konnten. Lustig sind die Taxis, nicht uniform wie bei uns, sondern bunt aufgemotzt mit Heckspoiler oder Unterbodenbeleuchtung und damit von weitem zu erkennen.

Weiter gings Richtung Tupiza über einen Pass, bei dem wir bis zu 4700m Höhe erreichten. Entsprechend hatten wir beide zum ersten Mal mit der Höhenkrankheit zu kämpfen, bemerkten unter anderem beide dunkle Schatten die im Augenwinkel vorbeiflitzten.

Tupiza

Endlich in Tupiza angekommen (3000m) wurden die Kopfschmerzen und Übelkeit Tag für Tag besser. Die Damen, insbesondere 40 aufwärts sind oft in der von den spanischen Kollonialisten eingeführten Bekleidung unterwegs. Die Hüte warten ursprünglich für Herren gedacht, diesen aber zu klein und mangels Absatz dann an die Damen vermarktet. Supermärkte gibt's nicht mehr, alles wird auf dem Mercado Central, in kleinen Kiosken oder direkt auf der Straße verkauft. Auf dem Markt rätselten wir über einen Stand mit getrockneten Lamaföten, fragten, ob das traditionelle Medizin sei - es handelt sich um Opfergaben für Pachamama (Mutter Erde). Tempopäckchen und Klopapierrollen werden stückweise verkauft, Tampons gibt's in gutsortierten Apotheken in der Vitrine.

 

Coca

In Bolivien und Peru werden traditionell die Blätter des Cocastrauches gekaut. Dies ist nicht mit dem Konsum von Kokain gleichzusetzen. Die Blätter enthalten unter 1% Kokain, welches beim Kauen zudem in ein anderes Alkaloid umgewandelt wird. Auf dem Land sieht man fast alle mit einer dicken Backe voll Cocablätter herumlaufen, oder es gibt Tee aus Cocablättern zu trinken. Diesen Mate de Coca gabs auch bei uns im Hotel zum Frühstück, der Effekt ist vergleichbar mit einer Tasse Kaffe und hilft zudem gegen die Höhenkopfschmerzen.
Das Kauen funktioniert wie folgt: Zunächst greift man das Blatt am Stiel und zieht diesen zwischen den Frontzähnen hindurch um ihn zu entfernen (sonst ist es bitterer). Wenn man das mit einer ordentlichen Menge an Blättern gemacht hat wartet man eine gute Viertelstunde, damit die Blätter ordentlich durchgespeichelt sind. Dazu mischt man dann ein Stückchen einer kreideartigen Arschezubereitung (gibt's unter anderem mit Stevia oder Lakritzgeschmach) als Katalysator. Die Bereiche der Mundschleimhaut die mit dem Brei in Berührung kommen werden taub, ähnlich wie bei der zahnärztlichen Anästhesie. Wie erwähnt macht es wacher, die Arbeitsleistung soll ansteigen, das Hungergefühl wird angeblich unterdrückt, weshalb zum Beispiel Mienenarbeiter große Mengen konsumieren um die harte Arbeit zu bewältigen. 

Die Inka konnten aus den Blättern ein Betäubungsmittel herstellen, welches sie für Tepanationen (Eröffnung des Schädelknochens z.B. nach Verletzung im Krieg) nutzen konnten. Eine religiöse Rolle spielt Coca neben Alkohol als typische Opfergabe. Trotz goldgeschmückter Kirchen und offiziell meist katholischer Religion hatten die Missionare wenig Einfluss auf den Fortbestand des traditionell verwurzelten Gaubens. 

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